Sonntag, 27. September 2015 – „Wanderung“

Was soll man zum Anreisetag noch groß schreiben?

Wie immer klingelte um 5.30 Uhr der Wecker.
Wie immer rief ich kurz nach 6 Uhr Andy an, damit er auch ja nicht verschläft.
Wie immer war er kurz vor 7 Uhr da und ich noch nicht ganz fertig…
Alles Routine.
Die Fahrt zum Flughafen, einchecken, noch gemeinsam was trinken, Security, Duty Free, Raucherkabuff.

Hier war es normalerweise immer angenehm still, man könnte meinen, Raucher gibt es nur unter den Solo-Reisenden, denn es finden keine Gespräche statt. Heute wurde die Stille jedoch vom Handy eines anderen Reisenden unterbrochen, indem es seine Freude über einen schönen Götterfunken kundtat . Beethoven wäre bei dieser elektronischen Tonfolge froh über seine Taubheit gewesen.

Vor dem Gate kam dann die nächste Security. Jetzt wurde es spannend, ob sie mich zum dritten Mal in Folge rausziehen und extra kontrollieren würden. Aber heute wirkte ich wohl nicht so gefährlich, denn es traf eine andere Frau, die dann noch durch den Scanner gejagt wurde.

Dank Economy Plus Sitz durfte ich gleich nach den Business Class Passagieren einsteigen. Wie immer hatte ich mir den Gangplatz der Mittelreihe reserviert und wie leider immer in den letzten Jahren war die Kiste bis auf den letzten Platz voll. Als ich mich meiner Sitzreihe näherte, wollte ich erst meinen Augen nicht trauen : Den anderen Gangplatz belegte eine Frau mit Baby auf dem Schoß, auf dem Mittelplatz saß ein etwa 5jähriges Mädchen. Oh je, das konnte ja heiter werden… Aber die beiden Kinder waren sowas von lieb - unglaublich. Das Mädel hat sich die ganze Zeit mit Filmchen und Büchern beschäftigt, kein Gequengel, kein Rumgezappel, nix. Nur das Baby (konnte aber auch schon krabbeln und stehen) hatte zwischendrin mal ne unruhige Phase und ist dann bei der Schwester bissl rumgeturnt - aber in Anbetracht dessen, wie es hätte ablaufen können, kann man absolut nix sagen.

Beim ersten Getränkedurchgang wurde ich vergessen und als ich der Stewardess dann hinterher flitzte und meine Bloody Mary bestellte, brachte sie mir eine Dose Tomatensaft und drei Fläschchen Wodka.

Zum Essen gab es wie gewohnt „Chicken or Pasta“ und ich entschied mich wie immer für Chicken. Im Vergleich zum Flug im Frühjahr war das Essen sehr viel besser. Später gab es noch eine kleine Snack Box mit Crackern, etwas Käse, leckerem Hummus und eingelegten Oliven. Igitt – ich hasse Oliven… aber vor lauter Langeweile frisst der Teufel Fliegen bzw. ich sogar Oliven…

Ich schaute mir den Film „Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin“ an, dann beschloss ich, mich auf den Urlaub richtig einzustimmen und gab mir die volle Südstaaten-Dröhnung „Vom Winde verweht“

Etwa eine Stunde vor der Landung in Atlanta wurde nochmals ein Snack serviert – war wohl weder besonders positiv, noch besonders negativ, denn ich weiß heute gar nicht mehr, was es war.

Zur Immigration ging es heute nicht geradeaus, sondern ich musste rechts abbiegen. Ich sah ein Schild „Walking Distance 15 min“, dachte mir da aber nix dabei. Erst als nach ein paar Minuten erneut ein Schild mit der Aussage „Walking Distance 12 min“ begegnete, schwante mir, dass damit tatsächlich der Fußmarsch zur Immi gemeint war. Naja, so ne kleine Wanderung war ja nicht wirklich schlimm nach den ganzen Stunden im Flugzeug. Aufgrund des ungewohnt langen Weges dachte ich, dass die Immigration Halle für Leute mit „final destination“ Atlanta eher klein und überschaubar ist und nicht viel los sein wird. Schließlich ist Atlanta ein riesiges Drehkreuz, da werden sicherlich nicht viele dort „aussteigen“.

Daher traf mich dann fast der Schlag, als ich nach der Wanderung durch den Airport die Schalterhalle erreichte. Sie war kleiner als die für den „Durchreise-Verkehr“ und proppenvoll… Wir durften nicht zu den Automaten, sondern mussten uns in die reguläre Schlange stellen. Nach einer gefühlten Ewigkeit war an den Schaltern für die US-Bürger nicht mehr so viel los und man hat uns rüber gelassen.

Die mir bestens bekannte Ground Transportation gab es hier nicht, es sollte per Shuttle-Bus zum Rental Car Center gehen. Von einem Shuttle war weit und breit nix zu sehen, also konnte ich erstmal in Ruhe zwei Zigaretten rauchen. Dann kam endlich eins, aber die Dinger sind in Atlanta so winzig, da passten vielleicht 8 Leute rein. Für eine einzelne Person wäre noch Platz gewesen – aber nicht für mein Gepäck. Kurz darauf kam jedoch nochmal eins.

Nun folgte eine „Stadtrundfahrt“. Ich hab keine Ahnung, wo das Teil entlang fuhr, aber gefühlt sind wir mind. einmal um den kompletten Airport gefahren. Ungewohnt grün war alles hier.

Um 16 Uhr kam ich schließlich am Rental Car Center an, ca. 1,5 h nach der Landung. Jetzt wurde es wieder spannend. Würde Gerd da sein? Klar war er da! Er war etwas früher gelandet und hatte an der Immi mehr Glück, bei ihm war es nicht so voll.

Ok, da ich nun aufgetaucht war, brauchte er keine Durchsage zu veranlassen, denn ich hatte ihm vor ein paar Tagen am Telefon noch scherzhaft gesagt, dass, wenn ich nach zwei Stunden nicht da bin, er mich ausrufen lassen soll. Ich würde dann aus Gewohnheit sicherlich irgendwo an einem Gate sitzen, von dem ein Flug nach Phoenix oder Las Vegas geht.

Meine erste Frage galt seinem Rücken, die Schmerzen waren besser geworden, aber noch nicht ganz weg.

Wir mussten noch kurz warten, dann kamen wir auch schon dran. Es ging alles recht flott und bald standen wir in der Choice Line der Midsize-SUVs. Unsere Wahl fiel auf einen Chevrolet Captiva und wir machten uns auf den Weg nach Morrow. Diese Straßenkreuzungen, in denen ein Abzweig gleich wieder verzweigt etc. überfordern mich immer erstmal und ich war froh, dass Gerd fuhr.

Nach dem Einchecken fuhren wir gleich noch zum Walmart und erledigten den Ersteinkauf von Grundnahrungsmitteln wie Bier, Wasser und Tomatensaft. Es folgte noch eine Kühlbox, Off und Sonnencreme.

Dann wurde das Navi befragt, welche Restaurants sich in der Nähe befinden und wir entschieden uns für ein Chili's. Diese Kette kannten wir beide noch nicht. Dummerweise entschied ich mich für ein Steak. Ok, es war nicht schlecht, aber ich hatte mir ja eigentlich bei der Tour im Frühjahr schon geschworen, künftig Steaks nur noch in Steakhäusern zu essen.

Zurück am Motel tranken wir draußen noch ein Bier, denn mit 82°F war es noch sehr angenehm und die Schwüle hielt sich in Grenzen. An den Pfützen konnte man sehen, dass es im Laufe des Tages geregnet haben musste. Gegen 21.30 Uhr wünschten wir uns gute Nacht und gingen in unsere Zimmer. Es machte sich nun etwas Mattigkeit bemerkbar. Richtig müde war ich aber noch nicht und ich wollte auch noch mind. eine Stunde wach bleiben, damit ich dem Jetlag ein Schnippchen schlage. Ich meldete mich im Forum, kramte noch bissl in meinem Gepäck und lag dann gegen 23 Uhr in der Falle. Nur ein paar Minuten später knipste ich das Licht aus, denn die Buchstaben vor meinen Augen verschwammen.

Info-Link:
Chili's Grill & Bar Restaurant