Donnerstag, 1. Oktober 2015 – „Erwischt“

Der Jetlag war zur Routine geworden… um 4:30 Uhr wachte ich auf. Mit Kaffee, Zigaretten und dem Forum vertrieb ich mir die Zeit bis zum Frühstück. Und ich besprühte mich ausgiebig mit Off, denn ohne in dem Zeug quasi getränkt zu sein, würde ich das Motel nicht verlassen.

Als wir uns um 7 Uhr trafen, glich das Gesicht von Gerd dem einer extratraurigen Bulldogge. „Cloudy, 50 % Chance of Rain“… (Ich hätte fast erwartet, dass er dabei mit den Händen die berühmte Merkel-Raute formt.)

Pffft – noch sah es gar nicht so schlimm aus!

Unser erstes Ziel heute war der Bonaventure Cemetery, diesen Tipp hatten wir aus dem Reisebericht von Nadine im Discover America Forum. (Absolut super Tipp!!!) Anfangs empfand ich es schon irgendwie seltsam und pietätlos, mit dem Auto auf dem Friedhof rumzufahren. Aber man „gewöhnte“ sich recht schnell daran.

Es ist schon eine ganz eigene Stimmung dort. Und irgendwie passte auch das Wetter dazu. Ich weiß nicht, ob mich der Friedhof so fasziniert hätte, wenn alles in strahlendem Sonnenlicht gewesen wäre. Dieses trübe Licht verlieh dem Ort eine ganz eigene Stimmung.
Anschließend stand eine Stadtbesichtigung von Savannah auf dem Programm. Unser Plan war, erstmal alles mit dem Trolley abzufahren und dann in einer zweiten Runde punktuell aus- und einzusteigen.

Aber die Fahrt zog sich, denn der Trolley fährt ziemlich verwinkelt. Die Fahrerin hatte die Stimme eines Sopran-Nebelhorns und machte die üblichen Spielchen mit dem für Amis hohen Unterhaltungsfaktor. „Wer kommt von wo“ usw. - darauf folgten Kreischeinlagen mit zappeligem Armgewedel und unkontrolliertem Gehopse .
Ich schoss nur einen Blick in Gerds Richtung, damit er ja nicht auf die Idee kommt und ein „Germany“ in die Runde schmettert.
In dieser Art ging es weiter… Ich finde solche Späßchen eh albern und es hat mich mit der Zeit ziemlich genervt. Der Himmel zog immer mehr zu und es wurde kühl. Wir entschlossen uns daher, an der vorletzten Station, am Savannah River, auszusteigen.

Etwa 5 Minuten später hatten sich die Wolken dazu entschlossen, ihr ganzes Können unter Beweis zu stellen und Kaskaden dichten Regens prasselten nieder. Das gegenüberliegende Ufer vom Savannah River konnte man zeitweise gar nicht mehr erkennen.
Wir flüchteten ins Spanky's und bestellten uns als Mittagssnack ein Sandwich. Heute hatte der Wetterbericht also Recht behalten...

Als der Wolkenbruch vorbei war, liefen wir zurück zum Auto. Es hatte sich spürbar abgekühlt und die große Schwüle war erstmal weg.

Natürlich nahmen wir ein paar Stationen, die wir uns vorher während der Tour ausgeguckt hatten, noch mit.

Kurz bevor wir am Auto ankamen, fing es wieder an zu regnen. Da gegenüber das Visitor Center ist, schauten wir uns dort noch bissl um. Wieder draußen, weihte ich nun meinen Regenschirm ein, denn bevor wir zurück zum Motel fahren würden, wollte ich noch in Ruhe eine Zigarette rauchen.

Auf der Rückfahrt zum Motel hielten wir noch bei Barnes & Nobles und beim Walmart. Dort entdeckte ich 2 Capri-Jeans auf einem Restposten-Ständer. Sie waren mit 7 $ ausgezeichnet, an der Kasse blinkte mir dann je ein Preis von 3 $ entgegen . So macht Shopping noch viel mehr Spaß!

Zum Abendessen gingen wir ins Ruby Tuesday. Es war Happy Hour und so gönnten wir uns ein paar Margaritas, die aber eher wie ne Limo waren. Mir hatte es besonders die Salatbar angetan, an der man sich seinen Salat selbst zusammenstellen konnte. Als Hauptgericht entschied ich mich für das New Orleans Seafood (Mild and flaky tilapia, creole-seasoned then topped with sautéed shrimp and Parmesan cream) und nach der gestrigen Cracker-Barrel-Schuhsole war das heutige Essen eine Geschmacksexplosion. So hatte ich mir ein Essen in den Südstaaten vorgestellt! Meine vernachlässigten Geschmacksnerven meldeten „mehr davon“, aber die Portion war einfach zu riesig.

Wir gönnten uns aber noch zwei weitere Margaritas. So ganz „ohne“ schienen die nicht zu sein, denn als wir dann auf einer Bank draußen vor dem Lokal saßen, ich eine Zigarette rauchte und wir über verschiedene Tour-Etappen-Planungen plauderten, wurde es etwas konfus:

G: „Es ist normal, in zwei Tagen von Denver nach New Orleans zu fahren.“
S: (verständnislos schauend)
G: „Doch, das machen die meisten so.“
S: (Ich muss ihn angeglotzt haben, als wäre er ein Amphib mit rosa Krawatte.)
G: „Ich meinte natürlich Dallas.“
S:


Wie auch gestern machten wir es uns unter dem Sonnenschirm am Pool bequem, tratschten noch bissl bei einem Bier und zogen ein erstes Resümee:

Trotz dem Jammern von Gerd hatten wir bisher wirklich Glück mit dem Wetter, denn es war immer besser gewesen, als vorhergesagt. Und dass es uns heute in Savannah nun „erwischt“ hatte, fand ich auch nicht wirklich schlimm, denn so wie auch bei Charleston war der Funke nicht wirklich übergesprungen. Auch hier hatte ich keine netten Straßencafés oder Ähnliches gesehen. Und sowas gehört für mich einfach mit dazu. Nur rumrennen und Häuser fotografieren, das war mir dann doch zu eintönig. Einzig in der Straße direkt am Savannah River hatte ich ein paar nette Lokale erspäht. Aber eh egal: Aufgrund des heute wirklich nicht so guten Wetters standen die Konjunkturindikatoren für Straßencafés sowieso nicht gerade auf Rekordniveau.

Im Zimmer folgte die übliche abendliche Routine und heute lag ich schon gegen 22 Uhr im Bett. Das Schlafdefizit machte mich langsam mürbe.