Freitag, 2. Oktober 2015 – „Die Kunst ist, trotzdem Spaß zu haben!“

Was soll ich schreiben… 4:30 Uhr aufgewacht, 7:00 Uhr Frühstück… Während ich morgens draußen war, stellte ich fest, dass die Schwüle komplett weg war. Die Luft war so herrlich angenehm.

Als wir uns zum Frühstück trafen, verschonte mich Gerd mit Wetternachrichten – oder hatte ich schon gelernt, diese zu überhören?

Heute stand ein Fahrtag auf dem Programm, von Savannah nach Tallahassee, einziger Stopp: Okefenokee. Da es „über Land“ ging, also ohne große Städte zwischendurch, übernahm ich das Steuer (und ich halte mich immer streng an die Geschwindigkeitsbegrenzungen)..

S: „Uiiii, da ist mal einer langsamer als ich, den muss ich sogar überholen.“
G: „Sein Auto wird kaputt sein...“

Wir waren noch nicht mal ne Stunde unterwegs, als ich merkte, dass ich schon wieder müde wurde . Also Zeit für eine Zigaretten-Pause und die Schlachtung einer Dose Cola, denn das weckte die Lebensgeister wieder und es konnte weitergehen.

Temperaturmäßig war es heute nicht der Brüller, mit knapp über 60°F ca. 10°C weniger als gestern . Für Gerd trotzdem noch so warm, dass mir im Auto fast die Füße in den Sandalen abgefroren sind... Aber dann hatte er ein Einsehen und machte das Eisgebläse aus.

Gegen 10:15 Uhr erreichten wir den Okefenokee Swamp Park (North), etwas südlich von Waycross. Die Entscheidung für diesen Teil des Parks fiel aufgrund der geplanten Tagesetappe. Ich hatte mich auf tolle Sumpflandschaften etc. gefreut. Die gibt es dort bestimmt - aber leider haben wir davon so gut wie nichts gesehen.

Der Parkplatz war leer, wie eine Eisdiele im Winter bei minus 20 Grad. Das hätte uns schon misstrauisch machen sollen…

Die Anlage sah zwar recht profimäßig aus, der Besuch entpuppte sich jedoch als totaler Reinfall. Im Gesamtpreis war eine Bootstour von 45 Minuten enthalten, eine Zugfahrt (Bimmelbahn durch das Gelände) und eine Art „Alligatoren Streichelzoo“ (sowas hasse ich ja wie die Pest! ). Davon wahrnehmen würden wir aus Zeitgründen nur die Bootstour.

Diese sollte um 11 Uhr beginnen und so hatten wir noch etwas Zeit, die wir mit einem kleinen Snack, bestehend aus einer Banane und einer Dose Gemüsesaft, verbrachten. Mit dem Gemüsesaft hatte ich übrigens inzwischen Frieden geschlossen. Seit ein paar Jahren gab es meinen geliebten Mr. & Mrs. T's Bloody Mary Mix nicht mehr in Dosen, sondern nur noch in 1,5 Liter-Flaschen, und ich mag es nicht, wenn die dann mal angebrochen sind. Und alle anderen Tomaten- oder Gemüsesäfte schmeckten irgendwie „eingeschlafen“… Aber jetzt hatte ich entdeckt, dass es den V8 Vegetable Juice auch in der Version „spicy hot“ gibt und der ist richtig lecker!

Dann war es Zeit, ins Boot zu steigen. Mittlerweile hatten sich noch drei andere Personen eingefunden – die Gruppe war also „überschaubar“. Wir fuhren los und es kam gleich ein Kommentar von Gerd „bei blauem Himmel wäre das viel besser“… (Wer war ich im letzten Leben, dass ich so viele böse Karma-Punkte abarbeiten muss? Josef Stalin?) Pfffft – ich freute mich auch bei bedecktem Himmel. Es ging ziemlich spannend los, durch eine Art natürlichen „Kanal“, eine Wasserstraße. Rechts und links erhoben sich hohe Zypressen aus dem Wasser.

Als wir unter einer kleinen Brücke durchfuhren wurde ich schnell 50 cm kleiner, denn genau über mir hockte eine Mords-Spinne…. schnell vorbei!

Ich war mächtig gespannt, was sich nun landschaftlich da noch alles auftun würde! Und die Spannungskurve fiel jäh ab, als der Guide verkündete, dass wir nun anlegen würden, denn hier gibt es einen Broadwalk, der zu einem Watch Tower führt. Die Fahrt würde dann in ca. 20 Minuten fortgesetzt. Hähhhh? Dann wäre es ja schon wieder Zeit für die Rückfahrt…???
Erst wollte ich meutern und blieb im Boot sitzen, da mir aber klar war, dass die Tour dann nicht mehr viel hergeben würde, wollte ich mich dort wenigstens etwas umschauen. Gerd, der auch im Boot geblieben war, schloss sich mir dann an. Bis zum „tollen“ Watch Tower waren es nur vielleicht 150 m auf einem Broadwalk. Einziges Highlight waren ein paar Seerosen, die ich nun in Ruhe fotografieren konnte.

Wie vermutet machte das Boot dann eine Kurve, um in einer anderen Wasserspur zurück zu fahren.

Weitere tierische Begegnungen beschränkten sich auf einen (in Zahlen 1) Alligator, dessen Kopf bissl aus dem Wasser raus ragte.

An der Anlegestelle ging es dann noch in einen „Seitenarm“ und dort sah man nun nochmal drei Alligatoren.

Ich behaupte mal, die waren entweder zahm oder betäubt, denn die liegen dort garantiert immer, damit die Tour eine Rechtfertigung hat und die geneppten Touris wenigstens noch ein Highlight bekommen.

Trotzdem war die Tour ein Reinfall.

Alles in allem: Die Tour war ungefähr so spektakulär wie der Besuch in der Autowaschanlage . Da hätte auch bestes Wetter nix mehr gut machen können.

Ernüchtert und innerlich „angepisst“ fuhren wir weiter. Machen wir uns nix vor, die Fahrt war absolut öde. Man fährt stundenlang durch eine „Schneise im Wald“, ab und zu durch ein mehr oder weniger sehenswertes Örtchen. Zwischendurch machte ich eine kurze Cola-Zigaretten-Pause.
Gegen 16 Uhr hatte ich einen Tiefpunkt. Es machte sich eine bleierne Müdigkeit breit und ich merkte, dass ich einen "starren Blick" bekam . Gerd hielt auf dem Beifahrersitz schon länger ein Nickerchen. Ich brauchte dringend eine Kaffeepause. Es war zwar nicht mehr weit bis Tallahassee, aber es ging nicht mehr und so hielten wir an einem Waffle House und holten uns einen Kaffee.

Im Baymont Motel in Tallahassee angekommen, schafften wir dann nur fix unser Zeug in unsere Zimmer und fuhren zum Walmart. Mal wieder, aber meine Cola-Vorräte waren heute stark geschrumpft.

Anschließend fuhren wir mal die Straße entlang und hielten nach Restaurants Ausschau. Da fiel uns das Chrystal River Seafood in den Blick, eine Menge Autos standen dort davor. Dies konnte ja eigentlich nur ein gutes Zeichen sein. War es auch! Die Shrimps waren mega-lecker! Nur ganz leicht paniert und nicht wie sonst so oft „in Panade erneut getötet“.

Während wir im Lokal saßen, hatte uns draußen der Regen eingeholt. Daher setzten wir uns dann im Motel an den Pool und unter einen Sonnen regenschirm und tranken noch ein Bierchen, während um uns herum der Regen niederprasselte.

Später im Zimmer schaute ich mal auf die Wetterseiten. Regen war keiner mehr gemeldet, aber mit meinem für morgen geplanten Planscher im Golf würde es wohl nix werden. Schade - aber man kann es nicht ändern. Jammern bringt eh nix, das zieht nur runter. Und dagegen hatte ich in den vergangenen Tagen heftig gekämpft, denn die Kommentare zum Wetter fingen an, an mir zu nagen…

Und als ich dann abends noch im Forum zu lesen bekam (Gerd hatte gestern Abend ein paar Fotos gepostet) „Den Fotos nach hätte ich Euch deutlich besseres Wetter gewünscht. Weißgrauer Himmel und weiße Häuser kommen nicht so gut.“ hat es mich schon auch bissl traurig gestimmt . Aber ich beschloss, mich von dem Rumgejammer nicht unterkriegen zu lassen und meinem Motto treu zu bleiben: „Die Kunst ist, trotzdem Spaß zu haben!“!

Wieder lag ich kurz nach 22 Uhr in den Federn.