Samstag, 3. Oktober 2015 – „Delirium“

Als ich mal wieder um 4:30 Uhr resignierte und aufstand, nahm ich mir vor, abends länger auszuhalten, in der Hoffnung, dann morgens endlich mal etwas länger schlafen zu können.
Ich fühlte mich, als wäre ich über Nacht von einem LKW überfahren worden…

Als wir uns zum Frühstück trafen, nahm mir Gerd mit „mostly cloudy, 65°F…“ den letzten Funken Hoffnung auf ein Bad im Golf .

Wir fuhren von Tallahassee runter an die Golfküste und an dieser entlang bis nach Pensacola, dann rüber nach Mobile/Tillmans Corner.

Die Fahrt empfand ich als langweilig, einfach weil man von der Küste zum größten Teil gar nix sieht . So kenne ich es auch z.B. von der A1A in Florida. Entlang der Küste steht ein Privathaus neben dem nächsten und es gibt nur ganz wenige ungetrübte Ausblicke. Ok, Beach Access wäre häufiger möglich gewesen aber der hätte auch nur zu einzelnen Strandabschnitten geführt. Das hatte ich mir anders vorgestellt, einfach mehr „freien Blick“. Und das Wetter trug auch nicht dazu bei, die Lust auf diverse Strand-Stopps zu steigern .

In Destin fand ein Sea Food Festival statt und es war Stau, Stau, Stau... Die Fahrzeuge quälten sich Stoßstange an Stoßstange über die vierspurige Straße.

Ok, das mit dem „trotzdem Spaß haben“ machen wir dann ab morgen… heute passten die Umstände wirklich nicht.

Und ich kämpfte die ganze Zeit gegen die Müdigkeit an. Immer wieder fielen mir die Augen zu (zum Glück saß Gerd am Steuer). Mein Biorhythmus und ich hatten seit Tagen kein Wort mehr miteinander gesprochen. Ich kam mir vor wie im Delirium .

Nachdem wir den Stau überstanden hatten, hielten wir an einem Coffee Shop, denn ich hatte dringend ein „hallo wach“ nötig.
Obwohl… so ein klein wenig Spaß hatte ich dann doch…
Ich kenne Gerd ja nun so bissl… Ich glaube Gerd wird etwas hibbelig, wenn er nicht spätestens um 10 Uhr morgens mal den Auslöser der Kamera betätigt hat… Mangels Motiven war das heute nun eingetreten. (Ich hatte heute Morgen schon das Angebot von einem Fotostopp am State Capitol von Florida ausgeschlagen, Gerd hatte davon schon Fotos.)
Wir fuhren (Gerd war am Steuer) dann durch diese Küsten-Örtchen und an diversen Shops sahen wir so große Fischmäuler, die quasi den Eingang bildeten.
G: „Willst Du ein Foto machen?“
S: „Nö, sowas fotografiere ich nicht.“

Dann kamen wir an einem skurrilen Freibad vorbei.
G: „Willst Du das fotografieren?"
S: „Das ist doch Kitsch, sowas mag ich nicht.“

Später wies Gerd auf ein Haus, welches wie ein Ufo gebaut war.
G: „Willst Du ein Foto machen?“
S: „Och nö, sowas gefällt mir nicht.“

Nachdem ich so einige mögliche „Objekte“ abgelehnt hatte, stellte ich nun mal eine Frage:
S: „Warum fragst Du mich denn immer? Du weißt doch, dass ich es von mir aus sage, wenn ich anhalten und fotografieren möchte.“
G: „Naja, ich hätte schon das eine oder andere Foto gemacht.“
S:

Erst ab Santa Rosa wurde es schön. Dort hielten wir an, liefen im schneeweißen Sand rum und mit den Füßen im glasklaren, türkisblauen Wasser. Da hab ich es wirklich bedauert, dass es an dem Tag so kühl war .

Zurück auf dem Festland machten wir noch einen Boxenstopp bei Starbucks und stärkten uns mit einem Grande Macciato. Dann ging es zur letzten Etappe, zum Glück nun nur noch ein kleiner Hopser bis nach Mobile.

Am Visitor Center bei der State Line Florida – Alabama gab es noch einen kleinen Foto- und Info-Stopp.

Auf der langen Brücke vor Mobile kam dann ein Stau...
Ich kenne Gerd jetzt
- bei nicht optimalem (Fotografier)wetter
- auf schlechten Pisten
- im Stau

und weiß nicht, was "nerviger" ist… er fing an zu schimpfen wie ein Rohrspatz … Verwirrt schaute ich nach links und ich hätte mich nicht gewundert, wenn Gerd plötzlich zu Rumpelstilzchen mutiert wäre … . Dabei war alles ganz harmlos! Es war kein Stau, nur vielleicht 3 Minuten langsames Fahren, dann lief alles schon wieder wie geschmiert.

Gegen 17.30 Uhr (eigentlich 18.30 Uhr, aber wir haben heute eine Stunde dazu bekommen) erreichten wir Tillmans Corner und sind gleich noch zum Walmart, denn wir haben festgestellt, dass Wasser und Bier knapp wird. Anschließend ging es zu Ruby Tuesday zum Abendessen. Heute fiel meine Wahl auf einen Garden Bar Salad und Southern Style Chicken Tender Dinner (all white-meat chicken, dipped in our signature batter and fried to a crisp golden brown. Served with fries and a side of honey mustard). Eigentlich sind diese frittierten Hähnchenteile, unter deren zentimeterdicken Panade sonst was sein könnte, nicht so mein Fall. Aber heute hatte ich irgendwie Appetit darauf und die waren auch wirklich gut.

Um draußen noch ein Bier zu trinken, war es definitiv zu kalt, daher haben wir eins bei Gerd im Zimmer getrunken. Die abendlichen Arbeiten hielten sich später sehr in Grenzen, da die Foto-Ausbeute heute sehr mager war. Ich war froh, denn ich war total groggy und ging doch wieder recht früh schlafen.

Vorher befragte ich noch die Wetterseiten: Besserung war in Sicht .