Sonntag, 4. Oktober 2015 – „Der Umschwung“

Als ich heute um 4:30 Uhr die Augen aufschlug, spürte ich irgendwie, dass heute ein Umschwung kommen wird. In den letzten beiden Tagen war ich in eine Art Lethargie verfallen. (Wahrscheinlich schockgefrostet….) Aber jetzt ergriff mich eine Vorfreude, die ich mir selber gar nicht erklären konnte.

Ob Gerd morgens was zum Thema Wetter gesagt hat, weiß ich nicht. Hatte wohl die Ohren auf „Durchzug“ gestellt . (Stichwort „Spaß haben wollen“ )

Der erste Programmpunkt des Tages hat mich eher weniger interessiert, aber schließlich sollte auch für Gerd was Neues dabei sein.

Daher besuchten wir in Biloxi „Beauvoir“, die Sommerresidenz von Jefferson Davis, dem ehemaligen Präsidenten der Konföderierten Staaten von Amerika. (Mehr geschichtliche Hintergründe darf man in meinen Reiseberichten nicht erwarten )

Die "Führung" (eigentlich stand man sich nur ne halbe Stunde lang, dem Guide lauschend, in der Eingangshalle die Beine in den Bauch und konnte die einzelnen Räume lediglich im Türbereich betreten) war ganz kurzweilig. Anfangs dachte ich, das Mädel wird nach Worten pro Minute bezahlt, denn sie wirkte, als ob sie alles runterratterte. Aber später durchbrach dann ein gewisser Witz und Charme ihre Sprödigkeit.

Dann ging es weiter auf dem Hwy 90, tatsächlich nun für ein paar Meilen an der Küste entlang. Wetter: verdammt kühl mit 57°F und „weißer Himmel“ – aber trocken.
Merke: Es hätte schlimmer sein können
Das Wasser im Golf sah braun aus und animierte mich nicht zum Fotografieren. Ebenso wenig der Leuchtturm. (Mit den Dingern hab ich es eh nicht so - und schmaler weißer Leuchtturm vor grau-weißem Himmel steigerten das Interesse nicht wirklich.)

Im Louisiana Welcome Center deckten wir uns mit diversen Broschüren ein und tranken einen Kaffee, den man dort angeboten bekommt.

Gegen 13 Uhr erreichten wir Slidell, wo wir zum Glück schon im Super 8 einchecken konnten, denn der Gedanke, das Auto vollbepackt auf einem öffentlichen Parkplatz in New Orleans abzustellen, gefiel uns beiden nicht.

Und dann machten wir uns gleich auf den Weg nach New Orleans. Die Fahrt über die lange Brücke, die sich über den Lake Pontchartrain spannt, war mir nicht so geheuer… Ich bin immer froh, wenn ich festes Land unter den Füßen habe.

Kurz darauf befanden wir uns auch schon auf der Decatur Street im südwestlichen Teil des French Quarter. Es war mächtig voll, entsprechend langsam kamen wir vorwärts, was mir genug Zeit zum Gucken gab.

Ha! Genauso hatte ich es mir vorgestellt . Die Balkone der hübschen Häuser, geselliges Treiben in den Gassen, das ganze Flair.

Dann kam das Café du Monde in Sicht und Gerd hat mich mit den Worten „und hier sind solche Touri-Schuppen“ darauf hingewiesen.
Pffft, Touri-Schuppen hin oder her! Hier waren sie: die Straßencafés, die zum Verweilen und „people watching“ einluden! Schon jetzt spürte ich: Das ist meine Stadt!

Wir ergatterten einen öffentlichen Parkplatz – natürlich gegen Gebühr und die war saftig! Ich glaube 15 $ die erste Stunde, 10 $ die zweite Stunde… und rein ins Getümmel.
Ich glaube, Gerd wollte unseren Besuch abkürzen und hat mich gleich in die Bourbon Street gelotst, dort war Remmidemmi usw. - das war gar nicht meins.
Daher lief ich dann einfach in die Nebenstraßen und dort war es einfach nur klasse!
Die Häuser, die Fassaden, die Balkons usw. Einfach nur toll!!! Und immer wieder kleine Cafés, die zum Verweilen einluden.

Die Begeisterung sprudelte regelrecht aus mir raus .

G: „Mit Sonne wäre das noch viel schöner…“
S: winselte innerlich


Dann zog noch so ne kleine Parade vorbei, die Dixie (oder was auch immer) spielten – weiß der Geier, für was die unterwegs waren. Aber so stellt man sich New Orleans vor.

Aber es war wirklich kalt! (Das Autothermometer zeigte später gerade mal 68°F. Da aber ein Wind aufkam, fühlte es sich um einiges kälter an.) Daher gab ich auch nach ca. 1,5 h auf und dirigierte Gerd gen Gumbo Shop. Diesen Tipp hatte ich von André aus dem DA Forum, als ich mich vor ein paar Tagen hilfesuchend nach „typischen Restaurants“ erkundigt habe.

Sogar ohne Wartezeit bekamen wir einen Tisch und orderten jeder eine Vorspeise (Chicken Andouille Gumbo) und zwei Side Orders (Jambalaya und Shrimps Creole). Das Jambalaya war nicht meins und vom Gumbo hätte es nicht mehr sein dürfen, dann hätte ich es über gehabt. Aber die Shrimps Creole waren ein Traum!

Fazit: Muss nicht jeden Tag sein, aber so zwischendurch mal diese Küche zu probieren, vor allem, wenn man sich nicht gleich riesige Portionen bestellen muss, sondern Vorspeisen und Side Orders kombinieren kann, ist wirklich empfehlenswert.

Dann ging es zurück zum Auto.

Dort entrichteten wir eine horrende Parkgebühr von 25 $. (Mir grauste schon vor morgen… da würden wir um einiges länger in der Stadt sein… wahrscheinlich wären wir danach dann pleite .) Während der Rückfahrt wurde der Himmel immer freundlicher und in Slidell bekamen wir tatsächlich noch ein paar Sonnenstrahlen.
Bei einem Bier wurde der Plan für morgen festgelegt. Leider stand ein Punkt noch bissl wackelig da: Der St. Louis Cemetery No. 1.
Ein Besuch ist nur mit einer Führung möglich, damit hatte ich kein Problem. Ein Anbieter, dessen Link ich hatte, war für morgen schon ausgebucht. Es gab zwar noch weitere Anbieter, aber ob eine Reservierung jetzt per www noch funktionieren würde? Ich war skeptisch . Daher blieb uns jetzt erstmal nix anderes übrig, als morgen um spätestens 9.40 Uhr an der Voodoo Lounge zu erscheinen, in der Hoffnung, dass die diversen Tour-Anbieter uns morgen per walk-in mitnehmen. Zur Not würde ich sonst das große Jammern und Betteln anfangen! Schließlich war da mein Geburtstag und die würden doch nicht meinen Herzenswunsch ignorieren…

Die ganzen Recherchen und Überlegungen inkl. der üblichen abendlichen Arbeiten hatten doch einige Zeit beansprucht und so lag ich heute erst um 23.20 Uhr im Nest.