Donnerstag, 8. Oktober 2015 – „Gesättigt“

Von Jetlag kann man ja schon nicht mehr sprechen, daher schreibe ich: Ich wachte zur gewohnten Zeit um 4:30 Uhr auf…

Kurz vor 8 Uhr waren wir startklar. Unser Tagesprogramm war einfach zu umschreiben: Plantagen, Plantagen, Plantagen .

Über den Interstate 10 ging es Richtung Baton Rouge. Die Straße ist weitgehend eine Brücke, die durch das Atchafayla Basin bzw. den Atchafayla Swamp führt und rechts und links der Fahrbahn sah man wieder beeindruckende Sumpflandschaften. In Baton Rouge wechselten wir auf den Highway 61 nach St. Francisville. Die Rosedown Plantation war unser erstes Ziel.

Bevor wir uns auf Fotostreifzug begaben, ging ich noch zum Toilettenhäuschen, welches sich hinter dem Visitor Center (= Kassenhäuschen) befindet. Als ich um die Ecke bog, blieb ich wie angewurzelt stehen. Dort saß eine Katze. Ich sah sie so seitlich-schräg von hinten, und in dieser Position sah sie aus wie mein Karlie .

Auf dem linken Foto ist die Rosedown-Katze, auf dem rechten Foto mein Karlie.

Mein Herz floss über vor Mutterliebe und ich hatte sofort riesengroße Sehnsucht nach meinem kleinen Racker . Leise redete ich auf sie ein und erhielt prompt Antwort. Sofort legte sie sich hin und ließ sich streicheln . Auch bei ihr sah man die abgeschnittene Ohrspitze. Toll, dass auch diese Katze einen Futterplatz bei netten Leuten gefunden hatte.

Dann streunten Gerd und ich durch den Garten und die Oak Alley entlang.

Immer wieder traf man auf Statuen und verspielte Pavillons. Hecken, die einzelne Wege säumten, gaben dem Areal etwas von einem verwunschenen Labyrinth.

Das Mansion war ebenfalls ein fotogenes Objekt. An einer Besichtigung von innen hatten wir aber kein Interesse. Die langatmige Führung in Oak Alley vor zwei Tagen „saß uns noch in den Knochen“.
Dann kam die Myrtles Plantation an die Reihe. Dort haben wir aber nur vom Parkplatz aus ein paar schnelle Fotos gemacht.

Die Butler Greenwood Plantation war bereits an der Zufahrt als „private property“ ausgewiesen, keine Chance auf ein schnelles Foto von der Straße aus.

Jetzt wurde ich wieder etwas aufgeregt und zappelig, denn nun stand die Greenwood Plantation auf dem Programm. Diese war ja „verantwortlich“ dafür, dass ich diese Tour machte, denn das Foto von Gerti, welches mir den Anstoß gegeben hatte, stammte von dort.

Schon die Zufahrt hat mir unglaublich gut gefallen, denn diese Plantage lag wirklich etwas abseits von Ortschaften und die Strecke führte durch ein ländliches Idyll, wie man es sich eigentlich vorstellt .

Ursprünglich wollten wir nur „von außen gucken“ und Fotos mit dem Reflection Pool machen, aber beim Parkplatz stand ein Schild, dass man sich im Haus melden soll. Und so ganz ohne Anmeldung über das Gelände latschen, das ist nicht mein Ding.


Ich ging also die Treppe hoch und drückte die Klinke. Es tat sich nix und ich dachte, dass geschlossen ist. Aber offensichtlich klemmte die Tür nur bissl, denn dann gab sie schlagartig nach und ich flog fast ins Haus rein . Eine nette ältere Dame kam und fragte uns, ob wir das Haus besichtigen wollen.

„Nachtigall ick hör dir trapsen“… oder „gebranntes Kind scheut das Feuer“… daher kam erstmal die Gegenfrage von mir, wie lange denn das dauert. Max. 15 Minuten, in denen sie uns bissl was erzählen und ein paar Fotos zeigen würde und dann können wir uns im Erdgeschoss und im 1. Stock frei bewegen und Fotos machen.

Na, das war doch mal ne Ansage und es gab kein Halten mehr. Privatführung nur für uns und auch noch ohne Zeitlimit. Und die Frau hat es wirklich super gemacht! Die wichtigsten Fakten, die wichtigsten Meilensteine, keine unnötige Dramatik, keine Übertreibungen, Ehrlichkeit! (Die Plantage gäbe es in der Art heute längst nicht mehr, wenn die Stadt Baton Rouge nicht ordentlich die Sponsorhosen runtergelassen hätte, weil sie in der Region auch eine Vorzeige-Plantage haben wollte.) Keine Lebensgeschichte der einzelnen Möbel, sondern der schlichte Hinweis, dass manche noch Original sind, mache aber auch nur Nachbauten. Sie zeigte noch einige Fotos von früher, u.a. auch von der Ruine, denn die Plantage war mal bis auf die Säulen runtergebrannt.

Es war wirklich total kurzweilig und interessant. Und dann war es so angenehm, ohne Menschengedränge gemütlich durch die Räume zu spazieren und zu fotografieren!
Schon jetzt war mir klar, dass Greenwood das Highlight des Tages ist

Während Gerd das ganze Interieur quasi katalogisierte (von Fotografieren konnte man schon nicht mehr sprechen, das Klacken des Auslösers klang, als ob eine Horde Paparazzi hinter einem Promi her wäre) plauschte ich noch ein wenig mit der Frau und erkundigte mich, ob sie auch Postkarten haben. Und nachdem Gerd dann auch wieder zu uns gestoßen war, gingen wir in ein kleines Gartenhäuschen, denn dort wurden noch die Reste vom „Visitor Center“ aufbewahrt, das heute nicht mehr betrieben wird.

Nach der Besichtigung und dem Fotomarathon freute ich mich erstmal auf eine Zigarette und kalte Cola, aber Gerd wollte mich gleich zum Reflection Pool drängeln. Klar, 4 Minuten „Verzögerung“ würden eine enorme Auswirkung auf den Sonnenstand haben. Außerdem hing über uns eh schon wieder eine große weiße Wolke. Also machte ich mal kurz „wuff“, denn ich hatte während seiner Foto-Orgie drinnen schließlich auch nicht gedrängelt.

Am Pool angekommen, fanden wir die Situation dann auch so vor, wie sie vorher schon erkennbar war: In Blickrichtung, dass sich das Herrenhaus im Pool spiegeln würde, war der Himmel weiß… ok, kann man nix machen. War trotzdem schön.
Weiter ging es dann zur Catalpa Plantation. Die Zufahrt war mir nicht so ganz geheuer, denn hier hatte ich deutlich das Gefühl, bei jemandem im privaten Vorgarten zu stehen.

Wütendes Hundegekläff verstärkte diesen Eindruck noch und ich saß schnell wieder im Auto.
Die nächste Plantage, die Cottage Plantation, war wieder komplett als „private property“ gekennzeichnet und man konnte auch von der Straße nix erspähen.

Es folgte die Rosemont Plantation. Aber wenn man vorher Greenwood gesehen hatte, kam einem diese vor, wie das Häuschen vom Gärtner.
Erstmal gesättigt von Plantagen ging es nun auf direktem Weg nach Natchez, wo wir gegen 15 Uhr eintrafen. Wir hatten uns im Days Inn am Ortsrand Zimmer reserviert und checkten gleich ein. Es war angenehm warm. Gerd wollte sich erstmal im Zimmer an der Aircondition abkühlen und ich bekam die Erlaubnis für eine Stunde Poolzeit . Das Wasser war angenehm frisch und zum Glück schob sich dann eine Wolke vor die Sonne, denn Sonnenschirme waren nicht vorhanden und da hätte ich es in der prallen Sonne sonst nicht lange ausgehalten. So lümmelte ich dann gemütlich im Liegestuhl rum und blätterte in einem Info-Flyer über Natchez.

Gegen 16 Uhr sattelten wir dann aber wieder Darky und fuhren erstmal fix ins Visitor Center, Infoblättchen einhamsen. Dort wurden wir von diversen Schildern darauf aufmerksam gemacht, dass momentan die Pilgrimage Days sind, d.h. man darf für nicht gerade kleines Geld irgendwelche Privathäuser gucken. (Jetzt war uns klar, warum wir bei unseren Reservierungen festgestellt hatten, dass Natchez eigentlich unnatürlich teuer war.) Ich habe Gerd gleich erklärt, dass er das gerne machen kann, ich bleibe dann am Pool. Aber er hatte wohl von Hausbesichtigungen auch erstmal genug, denn er lehnte dankend ab.

Wir fuhren dann noch bissl durch das historische Zentrum. Natchez gefiel mir sofort richtig gut.

Es wirkte irgendwie niedlich. Unvorbereitet wie ich bei dieser Tour nun mal war, hatte ich an eine Stadt mit den Ausmaßen von Charleston oder Savannah gedacht... und mega Stress und Hektik erwartet...
Iwo! Natchez ist total überschaubar und ich freute mich schon auf den morgigen Tag. Da würden wir uns alles, was uns interessiert, in Ruhe anschauen und dazwischen bestimmt auch mal hier oder da ein Käffchen schlürfen können. Ich hatte nämlich schon diverse Cafés und Gartenterrassen erspäht.

Das Haus „Rosalie“ haben wir noch auf den letzten Drücker fotografiert, dann war es auch schon 17 Uhr und die Tore wurden geschlossen.
Zum Abendessen gingen wir in den Magnolia Grill und nach zwei Tagen Cajun Küche war heute mal was Solides wie Cheeseburger angesagt. Cheeseburger stand nicht auf der Karte, sondern nur Baconburger mit Bacon und Cheese. Also bestellte ich den, aber ohne Bacon .
Dann ging es endlich mal wieder zum Walmart und ich konnte dort wieder einen Mega-Schnapper aus den Restbeständen der Sommerkollektion machen.

Und um 19 Uhr - es war schon stockfinster - haben wir am Pool vier eisgekühlte MGD geschlachtet und uns unterhalten. Gerd sprach seit gestern auffällig oft von meinem Abreisetag (in sechs Tagen!!!) und man könnte auf die Idee kommen, dass er mich langsam loshaben will .

Im Zimmer folgte die abendliche Routine, dabei stellte ich fest, dass ich mal wieder ein Zimmer erwischt hatte, bei dem die Steckdosen total ausgeleiert waren . Da musste ich mit Unterkonstruktionen und Klemmtechniken arbeiten, damit die Technik geladen wurde.

Auch die Dusche war ein „Erlebnis“, ich wartete und wartete, dass das Wasser endlich wärmer wurde und nix tat sich. Dann stellte ich den Hebel mal auf kalt und siehe da, es wurde warm. Die Dusche war also mal wieder ein Exemplar, bei dem man entweder die Armaturen oder die Anschlüsse vertauscht hatte .

Wieder war gegen 22:30 Uhr Zapfenstreich.

Info-Links:
Rosedown Plantation Thread im Forum

Greenwood Plantation Thread im Forum