Freitag, 9. Oktober 2015 – „Landvermessung“

In der Nacht hatte ich von Häusern mit weißen Säulen geträumt…
Die 2,5 Stunden Wartezeit bis zum Frühstück überbrückte ich heute unter anderem damit, mal die ganzen Info-Blättchen zu sortieren und bissl auszumisten. Wahnsinn, was sich da schon alles angesammelt hatte!

Hochmotiviert traf ich mich mit Gerd zur üblichen Zeit zum Frühstück.

G: „Blöd, dass es erst heute Mittag Sonne geben wird.“
S:


Um 8 Uhr brachen wir dann auf, um Natchez unsicher zu machen. Der Himmel war – wie vorhergesagt - noch ziemlich bedeckt bzw. weiß, was Gerd zu einem gequälten Seufzen veranlasste, wobei seine Augenbrauen den Haaransatz oberhalb der Stirn besuchten.

In Natchez gibt es einige Historic Homes, die einen eigenen Namen haben. Wir begannen bei „Auburn“.

Nun ging es zu „Melrose“ und dort erblickte ich auch zum ersten Mal „lebendige Baumwolle“. Zwar nicht „frei lebend“, sondern in einem kleinen Beet beim Parkplatz.

Und in Natchez findet man auch Kudzu, welches hier in der Region immer mehr die ursprüngliche Vegetation zuwuchert und dabei zerstört. Irgendwie beängstigend das Zeug. Es erinnerte mich an einen älteren Gruselfilm, in dem eine außerirdische Glibbermasse eine Stadt angreift.

Weiter ging es zum Haus „Linden“.

Im Info-Flyer hatte ich gestern eine Location entdeckt, die für mich als Katzenliebhaber natürlich sein muss, denn die Story ist einfach zu rührend: Im Juni 1979 tauchte im Rathaus von Natchez ein zahnloser Kater auf, dem auch noch das linke Vorderbeinchen fehlte.

Der Kater fühlte sich offenbar sofort wohl und quartierte sich dort dauerhaft ein. Wegen der fehlenden Pfote erhielt er den Namen Tripod und wurde eine kleine nationale Berühmtheit. Als er nach vier glücklichen Jahren im Oktober 1983 starb, bekam er im Vorgarten vom Rathaus ein Grab.

Da das Seufzen und Stirnrunzeln von Gerd auch bei Stanton Hall noch nicht besser geworden war, dirigierte ich ihn zu einem Café, wo wir uns einen leckeren brasilianischen Kaffee gönnten.

Wie erhofft, riss die Wolkendecke nun langsam auf und wir machten uns erneut auf zu „Stanton Hall“.

Dann kam die zweite Location, die ich im Info-Flyer entdeckt hatte, an die Reihe: Der Platz, an dem früher der Sklavenmarkt stattfand. Man kann heute nichts mehr von Gebäuden etc. sehen, aber alles zu dem Thema ist sehr anschaulich an verschiedenen Info-Tafeln erklärt, auch mit Zeitungsausschnitten aus der damaligen Zeit.
Weiter ging es zu „Dunleith“.  
Und dann zu „D'Evereux".  
Und ein Blick auf den Mississippi durfte natürlich auch nicht fehlen.

Dann war mal wieder eine Pause fällig, die machten wir im Fat Mama‘s Tamales wo wir uns auf der gemütlichen Terrasse niederließen und uns bei Eistee (Gerd) und Margarita (ich) stärkten. Dazu knabberten wir ein paar Natchos mit Salsa.

Ein frecher Spatz war ganz mutig und pirschte sich an das Natchos-Körbchen ran, mopste sich einen und flatterte mit seiner Beute ein paar Meter weg. Das Größenverhältnis von Natcho und Spatz war quasi 1:1 .

Um 15 Uhr gab es dann eine Pause am Motel, Gerd wieder im kühlschrankkalten Zimmer, ich am Pool. Wie auch gestern war ich froh, als sich nach wenigen Minuten eine große Wolke vor die Sonne schob.

Als wir nach 1,5 Stunden wieder aufbrachen und Gerd das Navi einschaltete, musste ich laut lachen . Auf dem Display sah man die bisherige Strecke von heute und im Straßenmuster von Natchez gab es kaum Straßen, die wir nicht mindestens 1x gefahren waren. Es war quasi eine Landvermessung von Natchez. Wir schauten, ob wir von einigen „Weiß-Himmel-Fotos“ von heute Vormittag noch ein paar bessere Aufnahmen bekommen, aber dies gelang nur bedingt, da ja schon wieder Wolken unterwegs waren.

Bei „Magnolia Hall“ erwischten wir aber noch ein paar Sonnenstrahlen, die das Gebäude in ein wunderbares Licht tauchten.

Zum Abendessen gingen wir in das vom DA-Forum empfohlene „Pig Out Inn“. Restaurants mit Plastikbesteck mag ich zwar gar nicht so gerne, aber hier machte ich eine Ausnahme. Das Pulled Pork war mega lecker.

Da unsere Biervorräte massiv dem Ende zugingen und wir sowieso noch tanken wollten, erfolgte ein Stopp an einer Tankstelle. Während Gerd Darky tränkte, holte ich im Shop zwei Jumbo-Dosen MGD (0,94 Liter), also fast ein Maß Miller. Der Preis für beide Dosen zusammen betrug lächerliche 1,95$. Ich konnte es mir später nicht verkneifen, ein Vergleichsfoto mit einer normalen MGD-Dose zu machen .

Auch heute Abend setzten wir uns noch an einen Tisch im Poolbereich und beratschlagten für morgen. Da mir der Kopf heute von Häusern, Häusern und nochmal Häusern nur so schwirrte, habe ich in die Runde geworfen, ob wir morgen mal eins oder zwei weglassen können.
Da es ziemlich bald anfing zu regnen, verzogen wir uns bald auf unsere Zimmer.

Info-Links:
Tripod
Fat Mama's Tamales
Pig Out Inn Barbeque