Sonntag, 11. Oktober 2015 – „Ein Dämpfer nach dem anderen“

Um kurz nach halb fünf ging ich zum Rauchen nach draußen und merkte, dass es richtig frostig war. Da mussten Jeanshemd und Fleecejacke her!

Als ich kurz vor sieben Uhr zum Frühstück gehen wollte, drehte ich gleich nochmal um, denn die Brücke lag so wunderbar im Morgenlicht. Der Himmel war strahlend blau, aber es war noch immer sehr frisch.

Gerd präsentierte mir seinen rechten Ellenbogen, an dem sich über Nacht eine tischtennisballgroße Beule gebildet hatte… Oh je… das sah verdächtig nach Schleimbeutelentzündung aus… Wir beschlossen, am Abend auf jeden Fall mal in den Walmart zu gehen und dort den Apotheker zu befragen.

Nach dem Frühstück sattelten wir Darky und wir drehten noch eine kleine Runde durch Vicksburg.

Dann winkte ich dem Mississippi ein letztes Mal zu und dann machten wir uns auf den Weg. Der war heute lang, von Vicksburg (Mississippi) nach Eufaula (Alabama). Programm für unterwegs hatten wir mal gar keins, "ankommen" war die Devise.

Hinter Jackson machten wir an einer Tankstelle eine Pause, ich dopte mich mit einer Dose Red Bull und übernahm das Steuer.

Und während der Fahrt ging ein weiterer Wunsch von mir in Erfüllung. Schon vom ersten Tag an hatte ich mir gewünscht, ein Baumwollfeld zu sehen. Aber bisher waren alle, die wir gesehen hatten, schon abgeerntet. Nun erspähte ich eines, wo noch die weißen Baumwoll-Bobbel drauf waren.

Praktischerweise zweigte dort eine kleine Straße ab und ich konnte gut anhalten.


S: „Ohhhhh, ein Baumwollfeld “ (blinken, abbiegen, parken, Foto vom Rücksitz holen)
Da kam der erste Dämpfer von Gerd : „Da kann es Schlangen drin geben.“


Ok der Hinweis war nicht ganz unangebracht, denn in solchen Situationen renne ich ja gerne einfach mal hirnlos los...

Ich lief also sehr vorsichtig zum Feldrand.
S: „Mein erstes Baumwollfeld, das ist sooooo schön!“
Und der nächste Dämpfer : „Da ist schon alles braun, die Blätter sind weg.“
S: „Das ist egal, das ist trotzdem so schön.“

Und Gerd legte nochmal nach : „Es ist aber nichts mehr grün, es ist alles braun. In grün sieht das viel schöner aus“.
S: innerlich jaulend und sich auf dem Rücken wälzend


Egal, ich tätschelte und streichelte die Baumwollbällchen trotzdem! (Und Gerd hat übrigens dort auch nicht gerade wenige Fotos gemacht.)

Kurz vor Montgomery übergab ich Gerd dann wieder das Steuer. Hier wurde es mir zu wuselig, zu viele Knotenpunkte etc.

Je näher wir Eufaula kamen, desto mehr Wolken zogen auf. Kurz vor Eufaula entdeckten wir dann noch ein Baumwollfeld mit grünen Blättern, aber irgendwie waren wir gerade bissl groggy von der Fahrerei und wollten erstmal ins Motel.

Reserviert hatten wir im Baymont und mein erster Eindruck war: „hier gefällt es mir“ .

Ich entdeckte gleich beim Personaleingang zur Rezeption einen Fressnapf und eine Katze lümmelte gemütlich in der Nähe. Auch ihr fehlte an einem Öhrchen die Spitze, also auch eine „Katzenhilfe-Katze“, um die man sich hier kümmert. Das machte mir alles gleich noch sympathischer.

Und als ich dann mein Zimmer betrat, bedauerte ich es, dass wir hier in diesem netten Motel nur eine Nacht sein würden.

Nachdem wir unser Zeug in unsere Zimmer gebracht hatten, fuhren wir zum Walmart. Der Apotheker empfahl Gerd die Schwellung zu kühlen und zusätzlich noch Ibuprofen zu nehmen. Ich flitzte noch schnell zum Tierfutter und holte eine große Tüte Brekkies.

Dann begaben wir uns auf einen kleinen Fotostreifzug durch Eufaula, denn auch in diesem Ort gab es ein paar Prunkbauten. Die Sonne hatte sich doch nochmal durch die Wolken gekämpft und strahlte diese entlang der „Hauptstraße“ (Eufaula Ave) gerade wunderbar an. Aber weit und breit gab es keine Parkmöglichkeit .

Wir fuhren also „in die zweite Reihe“, und dort gab es auch ein paar hübsche Objekte.
Wir kamen noch an der First Baptist Church vorbei. Deren Weiß blendete einen fast im Licht der tiefstehenden Sonne.

Dann ging es noch weiter zu zwei „berühmten“ Häusern, die Namen haben. Zuerst zu Kendall Manor, welches heute als Bed & Breakfast betrieben wird.

Dann noch zu Fendall Hall.

Unser kleiner Streifzug durch Eufaula hatte mir sehr gut gefallen. Der ganze Ort hatte es mir sofort angetan. Alles da, was man braucht, trotzdem noch überschaubar. Und noch dazu hübsch verpackt .

Nun war das Licht wirklich nicht mehr gut und wir beschlossen, dass jetzt Feierabend ist. Gegenüber vom Motel gab es ein mexikanisches Restaurant, aber irgendwie war es uns beiden während einer Südstaaten-Tour nicht nach mexikanischem Essen. Daher fiel unsere Wahl nochmal auf ein Cajun Restaurant und so fuhren wir zum Cajun Corner. Während ich draußen noch eine Zigarette rauchte, konnte ich mir auch hier ein paar Schnappschüsse nicht verkneifen.

Zum Abschluss von diesem schönen Tag, der trotz „Fahrtag“ in meinen Augen noch viel geboten hat, wollte ich mir einen netten Cocktail genehmigen. „We are in Alabama. No alcohol on Sundays“… ok, dann halt ein Wasserchen.

Beim Essen entschied ich mich für eine French Onion Soup. Vor allem auch deshalb, weil es dank Aircondition empfindlich kalt im Restaurant war (eigentlich so kalt, da hätten wir uns auch draußen hinsetzen können). Selbst Gerd war es im Restaurant zu kalt und das will was heißen!

Als Hauptgericht wähle ich New Orleans Stuffed Fish (Your choice of delicious Red Snapper, mild white Tilapia, or Cajun Corner's famous Grouper filled with Cajun Corner's own secret recipe stuffing, then baked and smothered in a heavy cream sauce and served on a bed of sauteed vegetables) und wählte den Tilapia. Was für ein Gedicht! Das „stuffing“ (u.a. viel gebutterte Semmelbrösel) und die „heavy cream sauce“ waren aber wirklich sehr, sehr heavy und nach der Hälfte kapitulierte ich vor dem Angriff der Monsterkalorien.

Zurück im Motel entschieden wir uns aufgrund der Temperaturen gegen ein gemeinsames Bier draußen. Gerd sagte, er komme sich richtig durchgefroren vor.

Später, als er im Forum von der Beule am Ellbogen berichtete, wurde mir etwas Angst, denn es kamen gleich Hinweise, „hoffentlich bekommt er kein Fieber“… und vorher hatte er so gefroren… Schüttelfrost???

Aber es ging ihm noch gut genug, sodass er noch ironische Sachen von sich geben konnte, so nach dem Motto „tolles Wetter heute – aber wir hatten einen Fahrtag“ . Arrrgssss, man kann es ihm aber auch gar nicht recht machen.

Ich überspielte in der Zeit die Fotos auf's Netbook und freute mich über die Ausbeute, denn die war trotz Fahrtag nicht zu verachten.
Während einer Zigarettenpause lieferte ich die Brekkies noch an der Rezeption ab und die Angestellte freute sich sichtlich drüber.

Und später beobachtete ich noch, wie ein Paar eincheckte und er kam kurz darauf mit der Kaffeemaschine aus dem Zimmer und ging zur Rezeption. Die Angestellte tauschte sie aus, aber nach einer Minute kam er wieder zurück und ich hörte, wie er meinte, auch diese sei defekt, der Filter würde ja fehlen. Da erklärte ihm die Angestellte erstmal, dass es sich um ein Modell handelt, in welchem man den Kaffee bereits im Filter bekommt und dieser sich daher im abgepackten Kaffeetütchen befindet. Verflixte Technik aber auch! Die Dinger sind doch heute aber eh weit verbreitet. Ich hatte die in den letzten Jahren mehrfach während jeder Tour angetroffen.

Heute war es erst kurz vor 24 Uhr, als ich zwischen die Laken schlüpfte.

Info-Link
Cajun Corner