Montag, 12. Oktober 2015 – „Zwiegespalten“

An diesem Morgen überbrückte ich die 2,5 Stunden Wartezeit bis zum Frühstück, indem ich im Internet recherchierte, wo es in Eufaula eine Notfallpraxis gibt. Das von Gerd absolut ungewohnte heftige Frieren gestern Abend hatte mich wirklich beunruhigt und ich rechnete fast damit, dass es doch Schüttelfrost war und somit Fieber bedeutet .

Umso erleichterter war ich dann, als wir uns zum Frühstück trafen und er Entwarnung gab . Die Beule war zwar unverändert aber sonst ging es ihm gut, kein Fieber usw. Da er abends im Forum noch den Tipp nach einer bestimmten Salbe für solche Fälle bekommen hat, beschlossen wir, gleich nochmal zum Walmart zu fahren, damit er sofort mit der Behandlung anfangen kann. Mit „Programm“ konnten wir uns eh Zeit lassen, denn Eufaula war eingehüllt in dichten Nebel .

Für die Katze holte ich nochmal ne Futterpackung, denn die Angestellte, die heut früh Dienst hatte, war nicht sehr kooperativ. Ihr Smartphone war ihr wichtiger . Daher hatte ich heute Morgen schon die kleine Leckerlie-Packung verfüttert, die ich eigentlich für Karlie gekauft hatte. Beim Auschecken war dann ein Mann hinter der Rezeption, dem ich die angebrochene Tüte Brekkies gab. Er bedankte sich und kam dann grinsend wieder nach vorn und erzählte, dass sie momentan ein kleines Katzenfutterlager haben, weil in den letzten Tagen mehrere Gäste extra welches gekauft haben. Über sowas freut sich mein Katzenherz doch immer sehr!!!

Gegen 9 Uhr fuhren wir dann los. Zuerst ging es nochmal in die entgegengesetzte Richtung, denn wir wollten nun zum „grünen Baumwollfeld“. Dort machten wir erstmal zwei Dreherle, bis wir einen geeigneten Parkplatz gefunden hatten.

Dicke Tautropfen glänzen auf den Blättern und den Baumwollbäuschchen und der Nebel hing noch immer wie eine dicke Suppe über dem Feld. Aber man konnte erahnen, dass die Sonne bald den Kampf gegen den Nebel gewinnen würde.
Dann ging es zurück und nun war auch aus dem Ort der Nebel weg, sodass wir noch an einer weiteren Pracht-Villa in Eufaula stoppten.
Dann überquerten wir den Walter F. George Lake, auch Eufaula Lake genannt, der hier vom Chattahoochee River gebildet wird. Das Wetter wurde immer besser, der Nebel löste sich auf und die Sonne kam hervor .

Unser nächstes Ziel war der Providence Canyon, liebevoll auch Georgia's „Little Grand Canyon“ genannt. Fotos hatte ich davon schon viele gesehen und als Liebhaberin von roten Steinen hatte ich mich schon im Vorfeld ganz besonders darauf gefreut. Der Providence Canyon hat übrigens keinen rein natürlichen Ursprung, sondern die Erosion wurde durch landwirtschaftlichen Raubbau im 19. Jahrhundert ausgelöst.
Als wir dort waren und die ersten zwei View Points oben am Rim angesteuert hatten, war ich jedoch bissl zwiespältig, denn irgendwie passte der Providence Canyon nun so gar nicht zum Rest der Tour.

Aber als dann die erste viertel Meile vom Canyon Loop Trail hinter uns lag und wir uns unten im sandigen Flussbett befanden, sprudelte ich fast über vor Begeisterung . Nach zwei Wochen „weißen Häusern“ waren die satten Farben eine regelrechte Augenweide .

Der Providence Canyon leuchtete in spektakulären Tönen: strahlendes Orange, flammendes Rot, gemischt mit Grün, Weiß und dem Gold des Herbstlaubes!

Zuerst folgten wir dem Trail bis zu den hinteren Canyons. Wir kamen jedoch kaum vorwärts, weil wir immer und immer wieder fotografieren mussten.
An einer Stelle machte ich mir einen Spaß und drapierte ein Blatt auf einem Felsen. Als wir beim Rückweg dann wieder da vorbeikamen, musste ich grinsen, denn das Motiv hatte Anhänger gefunden .

Dann gingen wir zurück und erforschten noch zwei der vorderen Canyons. Der Trail war hier deutlich feuchter und man lief eigentlich die ganze Zeit in einem dünnen Rinnsal. Hier war die Sicht jedoch nicht so gut, denn die Vegetation versperrte den Blick oder aber lagen die eindrucksvollen Felswände aufgrund vom Sonnenstand noch im Schatten.


Das machte aber nix, denn auch hier fand ich einen schönen Spielplatz. Das Wasser hatte die Sedimente aus dem Boden gelöst und man fand schöne Ablagerungen.

Bevor wir den Canyon wieder verließen, setzten wir uns auf einen Baumstamm und ich machte eine Zigarettenpause. Das Wasser plätscherte lustig an uns vorbei, die Vögel zwitscherten und ein gelber Schmetterling flatterte durch das Sonnenlicht, welches sich flirrend durch die Äste im Wasser spiegelte.

The End

Und damit endet der Bericht.

Den „Rest“ der Tour kennen die Meisten von Euch. Die restlichen 1,5 Urlaubstage werden mir zwar immer in Erinnerung bleiben, aber ich möchte nicht wieder ausführlich darüber berichten, denn es ist nichts, woran man sich gern erinnert.

Und es soll auch hier im Reisebericht nicht wieder zum Thema werden.

Gerd stürzte, verletzte sich dabei im Halswirbelbereich und wurde mit dem Helicopter nach Columbus gebracht. Ich fuhr mit dem Auto hinterher ins Hospital, wartete bis in den Abend hinein die ersten Untersuchungsergebnisse ab und suchte in seinen Unterlagen die Informationen zur Reisekrankenversicherung etc. raus, damit sich das Krankenhaus direkt mit dieser in Verbindung setzen konnte.

Am nächsten Morgen besuchte ich ihn nochmal im Krankenhaus, hatte seine Papiere etwas sortiert und brachte ihm sein ganzes Gepäck. Mehr konnte ich nicht tun, denn der Kontakt zwischen seinem Krankenversicherer und der Krankenkasse bestand. Es würde sich in den folgenden Tagen entscheiden, wann Gerd zurück nach Deutschland gebracht wird.

Dann fuhr ich nach Atlanta, brachte am nächsten Tag den Mietwagen zurück zum Rental Car Center und flog nach Hause.

Gerd wurde eine Woche später nach Deutschland geflogen. Weitere Untersuchungen ergaben, dass eine Operation nicht erforderlich ist. Man begann sofort mit intensiven Reha-Maßnahmen und nach zwei Monaten wurde er kurz vor Weihnachten entlassen.

Heute schmiedet er schon wieder Pläne für seine nächste USA-Tour.