Prolog - „Gerti ist schuld“

„Vom Winde verweht“, „Fackeln im Sturm“ – die Filme aus der Antebellum Zeit und dem folgenden Sezessionskrieg haben mich schon als Kind fasziniert. Diese wunderbaren Herrenhäuser, romantische Gärten, die prachtvollen Kleider der Damen, beeindruckende Alleen und die mit Spanish Moss behangenen Bäume. Dann der Gegensatz: die eigentlich unvorstellbare Sklaverei und als Folge der Bürgerkrieg.
„Vom Winde verweht“ habe ich schon so oft gesehen, dass ich die Texte von Scarlett O'Hara wohl schon mitsprechen könnte…
Irgendwann wollte ich das alles selber sehen. Aber über einen konkreten Zeitpunkt hatte ich mir nie Gedanken gemacht. Denn der geliebte Südwesten hatte immer Prio 1, ohne ihn ging es nicht.

Aber dann passierte es: Am 14.04.2014 postete Gerti im Discover America Forum ein Foto:

Dieses Foto stammt von Gerti aus dem Discover America Forum. Danke, dass ich es verwenden darf.

Da war der Drops gelutscht!

Gerti war „schuld“, dass ich nun für eine Südstaaten-Tour bereit war!

Aufgeregt rief ich Gerd an und berichtete ihm, dass ich im nächsten Jahr zweimal die USA besuchen würde. Einmal im Frühjahr, da plante ich eine kleine Arizona-Tour, und dann im September/Oktober sollte es in die Südstaaten gehen. Gerd erwiderte, dass er sich auch schon mit dem Gedanken einer Südstaaten-Tour beschäftigt, da seine Deep South Tour im Februar/März dieses Jahres ihn dann schließlich nach Arizona geführt hatte, weil er dem schlechten Wetter entkommen wollte. Er hatte also noch einige Rechnungen in den Südstaaten offen. (Dass er wegen dem Wetter quer durch die USA geflohen war, hätte mir zu denken geben sollen… ) Jedenfalls war der Gedanke naheliegend, dass wir uns für diese Tour zusammen tun. Ich hatte null Ahnung von der Ecke, Gerd wollte eh nochmal hin.

Die Planung überließ ich Gerd, denn - wie mittlerweile üblich - fehlte es mir an Zeit und vor allem konnte ich alles gar nicht richtig einschätzen. Gerd bastelte uns eine schöne Tour. Für ihn war natürlich einiges Bekanntes dabei, aber es gibt nun mal bestimmte „must sees“, die bei einer Deep South Newbie-Tour halt nicht fehlen dürfen. Und das eine oder andere würde auch für Gerd neu sein. Außerdem würde er sowieso zweieinhalb Wochen länger bleiben.

Noch bevor ich im April Richtung Arizona startete, hatte ich dann auch schon das Ticket für die Südstaaten in der Tasche. Die Zeit raste und der Abflugtag rückte immer näher.

Eine Woche vorher rief mich ein „leicht“ (stark untertrieben!) panischer Gerd an und wollte am liebsten die Tour komplett umdrehen , denn auf diversen Wetterseiten war eine Schlecht-Wetter-Zone vorhergesagt

Mir fiel das Kinn runter, denn ich wusste gar nicht, woher ich die Zeit nehmen soll, um die ganzen Reservierungen zu ändern. Und außerdem weiß man ja, wie zuverlässig Wetterprognosen sind, vor allem solche, die über die nächsten zwei Tage hinausgehen . Ich stand diesem Vorhaben daher so kritisch gegenüber, wie dem Verzehr von abgelaufenen Lebensmitteln. Optimismus beim Thema Wetter gehört definitiv nicht zu den Kernkompetenzen von Gerd (das sollte ich in den nächsten Wochen noch zur Genüge feststellen dürfen…). Er ließ sich jedoch vorerst davon überzeugen, dass wir noch bis Mitte der Woche warten und dann entscheiden.

Ich schaute dann auch mal nach und ok, es war nicht 100 % Sonnenschein gemeldet, aber sooooo dramatisch, wie er es am Telefon dargestellt hatte, war es nun auch wieder nicht. Außerdem hatte ich mich sowieso irgendwie auf „durchwachsen“ eingestellt, denn in den Reiseberichten, die ich zwischenzeitlich von dieser Region gelesen hatte, stand auch immer wieder, dass es zwar fast jeden Tag mal geregnet hat, aber der Spuk dann auch wieder recht schnell vorbei war.

Gerd behielt die Wetterseiten im Auge und gegen Mitte der Woche kam Entwarnung, wir brauchen die Tour nicht zu drehen – auf der anderen Seite wäre es auch nicht besser. (Und dass er mir gar nicht erst mit „komplette Änderung“ kommen brauchte, das wusste er. Ausflüge von Deep South nach Arizona – das kann er machen, wenn ich nicht dabei bin! )

Das Wetter sollte jedoch trotzdem ein zentrales Thema bleiben! (Und täglich grüßt das Murmeltier.)

Einen Tag vor dem Abflug wurde es nochmal richtig dramatisch: Nichts Böses ahnend rief ich bei Gerd an und erfuhr, dass er morgens in die Klinik gefahren war, weil er fürchterliche Rückenbeschwerden hatte und kaum laufen konnte . Er bekam Tabletten und diese zeigten jedoch langsam Wirkung. Er war zuversichtlich.

Und so konnte die Tour dann beginnen.